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Analyse der Bildungspläne: Dringender Handlungsbedarf für Medienerziehung in der Kita

05.05.2020 Kommentare (0)

Durch den Ausbruch von Covid-19 ging es ganz schnell: Schulen und Universitäten stellen kurzfristig auf E-Learning um; der Ruf nach der Vermittlung digitaler Kompetenzen ist so laut wie nie. Digitale Medien spielen nicht erst ab dem Schulalter eine zentrale Rolle im Leben von Kindern. Daher sollten bereits im Kita-Alter Kompetenzen für einen sicheren und gesunden Umgang mit Medien vermittelt werden. Dieses Ziel vermitteln die meisten „Bildungs- und Erziehungspläne“ der 16 Bundesländer, die Richtlinien für die frühkindliche Bildung in Kitas ausgeben. Das Berliner Team des Forschungs- und Praxisprojektes „Medienerziehung im Dialog von Kita und Familie“ der Stiftung Digitale Chancen und der Stiftung Ravensburger Verlag verglich nun die Bildungspläne der Länder unter dem Medienaspekt.

Die Rolle der Medienerziehung in den Bildungsplänen der Länder

Ziel der Studie des Forschungs- und Praxisprojektes „Medienerziehung im Dialog von Kita und Familie“ der Stiftung Digitale Chancen und der Stiftung Ravensburger Verlag ist es, zu prüfen, ob und wie die aktuellen Bildungspläne das Thema Medien aufgreifen und inhaltlich ausgestalten.

Die regionalen Unterschiede sind enorm: Die Bildungspläne unterscheiden sich in Bezug auf Aufbau, Inhalt und Umfang erheblich. Speziell mobile digitale Medien spielen in den Bildungsplänen kaum eine Rolle. Nur das Saarland berücksichtigt überhaupt Tablets und Smartphones. Fazit: „Es gibt dringenden Handlungsbedarf, beim Thema Medienerziehung sind die Bildungspläne nicht mehr zeitgemäß.“

Weiterführende Informationen zum Forschungsbericht „Zur Verankerung von Medienerziehung in den Bildungsplänen für Kindertageseinrichtungen“ sind auf der Seite der Zeitschrift „MedienPädagogik“ zu finden. Dort steht auch das PDF zum Download zur Verfügung.

Digitale Medien im Kinderzimmer und in der Kita

Digitale Medien sind aus Kinderzimmern und selbst aus einigen Kitas nicht mehr wegzudenken. Die meisten Kinder nutzen bereits in frühem Alter ein Tablet; auch der Fernseher spielt in ihrem Alltag nach wie vor eine zentrale Rolle. Ihre Lieblingsfiguren aus der digitalen Welt prägen auch ihr analoges Kinderleben: In der Kita sind ebenso wie im häuslichen Umfeld Merchandise-Artikel wie Spiderman-T-Shirts oder Eiskönigin-Brotdosen allgegenwärtig. Häufig wird jedoch vergessen, dass Kinder im Umgang mit Medien viel zu lernen haben: Selbst „digital natives“ müssen schrittweise und entwicklungsgerecht an Medien herangeführt werden, um die Potentiale nutzen zu können und zu kritisch-reflektierenden Nutzer(innen) heranzuwachsen. Hier sind die Kitas gefragt – als erste Bildungsinstitution im Leben von Kindern, welche ihren Alltag und ihre Fragen aufgreift.

Eckpunkte der Studienergebnisse

  • Die 16 Bildungspläne haben das Thema Medienerziehung sehr unterschiedlich stark verankert. In der Analyse werden vier Intensitätsstufen unterschieden (siehe Grafik weiter unten).
  • Wie umfangreich das Thema Medien behandelt wird, variiert von einzelnen Sätzen bis hin zu mehreren Seiten: Der bayerische und der thüringische Bildungsplan widmen sich dem Thema auf mehr als 20 Seiten. Sehr umfassend verankern auch Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Hessen den Aspekt Medienerziehung.
  • Viele Pläne gehen lediglich auf klassische Medien wie Bücher, CDs oder Kassetten ein. Nur die saarländische Richtlinie bezieht sich explizit auf mobile digitale Endgeräte wie Tablets oder Smartphones.
  • Insgesamt wird der Medienbegriff überwiegend undifferenziert gebraucht und nicht zwischen verschiedenen Medien und ihrer Bedeutung für die kindliche Lebenswelt unterschieden.
  • Konkrete Beispiele und Empfehlungen für die Umsetzung in der Praxis geben nur wenige Pläne.
  • Die neueren, nach 2012 erschienenen Bildungspläne widmen sich dem Thema Medien zumeist ausführlicher.
  • Manche Pläne heben vor allem die problematischen Auswirkungen einer konsumorientierten Mediennutzung hervor, während die Beschreibung der zu vermittelnden Kompetenzen in den Hintergrund rückt.

Forschungs- und Praxisprojekt zu Medienerziehung

Die vergleichende Untersuchung erfolgte im Zusammenhang des vier Jahre laufenden Forschungs- und Praxisprojektes „Medienerziehung im Dialog von Kita und Familie“, eine Kooperation der Stiftung Digitale Chancen mit der Stiftung Ravensburger Verlag, die es mit 450.000 Euro fördert.

Aussagekräftige Zitate aus Bildungsplänen zum Thema Medienbildung von Kita-Kindern:

„Alle Medien beinhalten Chancen und Risiken. Es gibt nicht die ‚guten‘ und die ‚schlechten‘ Medien.“ (Bayern)

„Die gedruckte Information ist nicht per se seriöser als die in Bild und Ton präsentierte.“ (Bayern)

„Eine medienfreie Kita schützt vielleicht die pädagogische Fachkraft vor unbequemen Auseinandersetzungen. Die Kinder schützt es nicht.“ (Saarland)

„Mehr als je zuvor ist erzieherisches und pädagogisches Handeln heute als Handeln in einer durch Medien geprägten Welt zu denken.“ (Thüringen)
Medienkompetenz ist „unabdingbar.“ (Hessen, Bayern)

Quelle: Stiftung Ravensburger Verlag vom 14.04.2020

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